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NaturART - eine Philosophie

 

Wir Menschen neigen oftmals dazu, uns der Natur gegenüber überlegen zu fühlen und wir stellen unser menschliches Tun sehr in den Vordergrund. Aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Die Natur ist uns immer weit voraus, auch in der Kunst.

 

Am deutlichsten wird dieser Widerspruch, wenn wir uns ins Museum begeben. Werke berühmter Künstler verstecken sich hinter Glas. Die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur und das Licht sind geregelt. Und das alles nur, um das künstlerische Objekt möglichst lange im Originalzustand zu erhalten. In Abständen wird dann restauriert.

Restaurieren bedeutet aber, dass sich das künstlerische Objekt mit der Zeit verändert haben muss. Die Natur hat ihm also ihre Patina mitgegeben.

 

Die schönsten Kunstwerke stellt seit jeher die Natur bereit. Gerüche, Geräusche, die Farben und Formen der Tier- und Pflanzenwelt – immer nach den Regeln des „goldenen Schnittes“. Künstler aller Epochen orientieren sich daran.

 

Die Natur stellt uns Künstlern ihr Material zur Verfügung – verändert es allerdings auch ständig. Luft, Erde, Wasser und Feuer gehören zu den Elementen, die Veränderung in der Natur bewirken. Veränderung bedeutet aber eben auch Zerfall. Das heißt, dass sich das künstlerische Objekt nach einer gewissen Zeitspanne der menschlichen Wahrnehmung entzieht. In der Natur geht aber nachweislich nichts verloren. Es findet eine Interaktion mit anderen Elementen statt.

Wenn wir von einer „gewissen Zeitspanne“ in der Natur sprechen, dann übersteigen Zahlen wie 100 000 oder Millionen von Jahren jedes menschliche Vorstellungsvermögen.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass wir bei „NaturART“ somit nicht oder nur in sehr geringem Maße auf zusätzliche Materialien angewiesen sind. Wir können auch Reste von vorangegangenen Projekten nutzen und müssen nicht zwingend auf neue hochwertige Industrieprodukte zurückgreifen. Risse, Verfärbungen und Flecken sind seit jeher von der Natur abhängig und sollten kein störendes Beiwerk darstellen, im Gegenteil.

 

Es gilt, die Patina der Natur in die Kunstwerke mit einzubeziehen.

 

 

 

 

Thomas Graupner, 2015